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„Ich baue an einer Bibliothek“ – Christian Reister im Gespräch mit Josef Chladek über sein Virtual Bookshelf

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Christian Reister: Josef – dein Virtual Bookshelf umfasst mittlerweile über 1800 Fotobücher. Jedes einzelne hast du in Auszügen fotografiert, kategorisiert und beschrieben. Unter Fotobuchliebhabern ist deine Website so zu einem wichtigen Recherchetool geworden. Erzähl doch mal, wie das ganze anfing.

Josef Chladek: Angefangen hat das in Wahrheit vor mehr als 20 Jahren. Ich hatte schon sehr früh begonnen, meine Bücher zu erfassen, in erster Linie Literatur und Politik, weniger Kunst und Fotografie. Über die Jahre hat sich dann der Fokus immer stärker zu Fotobüchern verlagert, ohne zu wissen, dass das ein eigenes Genre ist. Anfänglich war das eine rein textbasierte Datenbank, die aber für das schnelle Nachschlagen durchaus ausreichend war. Mit der Zeit wurden jedoch die Computer leistungsfähiger und damit auch mein Wunsch, die Bücher online zu sehen. Zuerst war es nur das jeweilige Cover, das ich mit ablegte, aber das ist natürlich zu wenig „Buch“; also begann ich systematisch die Bücher auch mit Rückseite und Rücken zu scannen. Von da an war es nur mehr ein kleiner Schritt, um eine adäquate Repräsentation zum echten Regal zu finden. Programmierung und Umsetzung der Offline-Datenbank zu der nun laufenden Seite waren dann in knapp zwei Wochen realisiert.

Christian Reister: Alle Bücher im Virtual Bookshelf sind also auch physisch in deinem realen Buchregal vorhanden? Und andersrum: sind alle deine Fotobücher in der Online-Datenbank archiviert oder ist das nur ein ausgewählter Teil? Falls ja, nach welchen Kriterien wählst du sie aus?

Josef Chladek: Bis auf etwa 30, 40 Bücher sind sie auch im echten Regal vorhanden. Ich hinke mit dem Erfassen immer etwas hinterher, auch habe ich eine sogenannte Halde, wo ich die mir wichtigeren Bücher zurückhalte und je nach Freude dann beim Veröffentlichen einstreue. Wie überhaupt es keinen Plan gibt. Welches Buch wann drankommt ist einfach eine Sache der Tagesverfassung. Manchmal ergibt sich ein inhaltlicher Faden, aber oft ist das pure Anarchie. Und ich habe zwar alle Bücher in der Datenbank, aber nur knapp die Hälfte ist online sichtbar, die Fotobücher jedoch beinahe komplett. Literatur und andere Sparten harren noch der Veröffentlichung.

Christian Reister: Nach welchen Kriterien sammelst du Fotobücher?

Josef Chladek: Ich mag ja den Begriff sammeln weniger; ich würde eher sagen, ich baue an einer Bibliothek. Und die Kriterien sind da ganz einfach: das persönliche Gefallen steht im Vordergrund. Das kann auf der gestalterischen Seite das Layout, das Papier und der Druck sein, es kann rein fotografisch sein oder einfach dann, wenn das Buch eine gute Geschichte erzählt. Es gibt da also kein Patentrezept, wiewohl mein Fokus immer schon auf ausdrucksstarker oder auch dreckiger Schwarz/Weiss Fotografie lag und liegt.

Christian Reister: …wo sich unsere Vorlieben überschneiden: Ich habe mich gefreut wie in Kind, als ich bei dir letztes Jahr Originalausgaben von William Klein und von den Japanern der Provoke-Ära durchblättern durfte. Das sind ja zum Teil recht teure Stücke, die es nicht an jeder Straßenecke gibt. Verrätst du uns ein paar Quellen, woher du deine Bücher beziehst?

Josef Chladek: Das sind endlos viele Quellen: das geht von klassischen Auktionen und Internet-Auktionen, da auch ebay oder yahoo in Japan, über Antiquariats-Plattformen, Such-Agenten (auch selbst programmierte), bis hin zu Händlern des Vertrauens, Freunden oder zufällige Facebook- oder Instagram-Bekanntschaften. Alles ist dabei. Und gekauft wird nur, wenn der Preis auch durch eigenes Know-How abgesichert ist. Die ganzen Phantasiepreise, die auch für neue und neueste Bücher, aber vor allem bei älteren Büchern verlangt werden, da gibt es ja praktisch nie Käufer für.

Christian Reister: Handelst du selbst auch? Man könnte ja fast meinen, das sei dein Hauptjob.

Josef Chladek: Nein, die Site ist eine reine Präsentations-Plattform. Da ich auch niemals ein Buch doppelt kaufe, gibt es auch keine Absicht, das in der Zukunft zu ändern.

Christian Reister: Du bekommst auch Bücher geschickt. Vor allem von Self-Publishern schätze ich. So kommt es, dass ehrwürdige Klassiker direkt neben ganz jungen Fotografen in deinem virtuellen Regal stehen. Sicher wählst du auch dort nach eigenen Gusto aus, was präsentiert wird und was nicht. Kannst du sagen, was besonders willkommen ist und was nicht?

Josef Chladek: Das Online-Stellen jedes einzelnen Buches, Zines oder Heftes nimmt doch sehr viel Zeit in Anspruch, Scannen, Spreads abfotografieren, bibliografische Details in der Datenbank erfassen – ganz egal wie erfolgreich, neu, teuer, rar, gut oder schlecht ein Werk auch sein mag, jedes benötigt ca. die gleiche Zeit bzw. Aufmerksamkeit. Ich ertappe mich natürlich dabei, die Besseren lieber zu machen. Schlussendlich entfaltet das Shelf, glaube ich, seine Stärke durch die Vielfalt und nicht durch meine subjektive Auswahl. Gut, es gibt sicher Bücher, die es nicht schaffen online gestellt zu werden, aber da müssen sie schon echt erbärmlich sein. Von daher ist praktisch alles willkommen, was das Stadium des selbstgebauten Dummys verlassen hat und eine professionelle Linie in der Buchgestaltung genommen hat. Blurb-Bücher mag ich jedoch so gar nicht, wiewohl ich da auch Großartiges erhalten habe. Das sind dann aber eher konzeptionelle Arbeiten.

Christian Reister: Vorhin hast du deine Vorliebe für dreckige Schwarz/Weiss-Fotografie angesprochen. Wie definierst du in diesem Zusammenhang dreckig? Wie erklärst du dir deine besondere Vorliebe für Bücher dieser Art und welche sind für dich ganz persönlich die wichtigsten dieser Art?

Josef Chladek: Ich mag es unscharf, körnig, in Bewegung, ich mag die Nacht, Randthemen, Unbeachtetes, setze keinen Fokus auf Perfektion und Technik, suche Ausdruck und Kraft statt übertriebene Ästhetik. Warum das jedoch so ist, kann ich schwer beantworten, aber es zieht mich meist mehr an als das perfekte Großformat-Bild. Und natürlich muss man da die Provoke-Era und deren Protagonisten nennen, aber auch William Klein, Moi Ver und viele andere, die für mich mitunter aber nicht auschließlich die besten Bücher gemacht haben. Doch vorneweg wird wohl immer „For a Language to Come“ von Takuma Nakahira von mir genannt werden, das Buch ist einfach unerreicht.

Christian Reister: Fotografierst du auch selber? Die meisten Fotobuchfreaks sind ja selbst mehr oder weniger mit dem Buchmachen zugange.

Josef Chladek: Nein, ich hatte vor beinahe 30 Jahren eine intensive Phase wo ich sehr viel in der Dunkelkammer stand, Schwarz/Weiss und Farbe. Ich hatte aber das Gefühl gehabt, dass andere das weitaus besser können und habe dann lieber mein Physik-Studium fertig gemacht. Seitdem ist die aktive Fotografie kein Thema mehr für mich.

Christian Reister: Welche neuen Bücher sind deine persönlichen Highlights vom diesjährigen Vienna Photobook Festival?

Josef Chladek: Speziell gefallen haben mir Robert Zhao Renhui mit „Mynas“, Christine Miess mit „Time Collapsing“, John Gossage mit „A Dozen Failures“, Arthur Bondar mit „Shadows of Wormwood“, Florian van Roekel mit „Le Collège“ sowie Michel Mazzoni mit „Collisions“. Und mit van Roekel ist sogar ein Buch in Farbe dabei.

Christian Reister: Josef, vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg beim Ausbau des Virtual Bookshelf.

Klaus Honnef

Das Gespräch wurde 2016 per Email geführt.
Das Virtual Bookshelf findet sich unter josefchladek.com
Besonders imposant ist die Ansicht des kompletten Regals

Fotos: Kay von Aspern

„Wenn ich an einem Projekt arbeite, dann gibt es nur das Projekt und nichts anderes“ – Christian Reister interviewt Klaus Pichler

Foto: Klaus Pichler - aus Golden Days before they end

Christian Reister: Klaus, wir haben uns vor einem Jahr auf dem Vienna Photobook Festival kennengelernt, wo du mir zu später Stunde Bilder deiner Arbeit „Golden Days Before They End“ auf dem iPad gezeigt hast. Fotos aus einfachen Wiener Kneipen, die nach und nach aus der Stadt verschwinden. Vor kurzem ging das diesjährige Vienna Photobook Festival zu Ende und das Buch liegt fertig vor, erschienen in der Edition Patrick Frey. Gratulation! Erzähle doch mal, wie es zu der Arbeit kam, wann die Idee zum Buch entstand und wie es zu der Zusammenarbeit mit dem Verlag kam.

Klaus Pichler: Danke! Ich kann mich noch gut an unser Treffen am beim Festival erinnern und freue mich sehr, dass jetzt, ein Jahr später, das Buch wirklich fertig geworden ist. An dem Projekt haben Clemens Marschall, der für die Texte verantwortlich ist, und ich Anfang 2012 zu arbeiten begonnen. Die ursprüngliche Idee kam von Clemens, weil er seit Jahren in solchen Lokalen unterwegs ist und gemerkt hat, dass immer mehr davon zusperren. Er hat mich irgendwann gefragt, ob ich Interesse hätte, mit ihm gemeinsam was darüber zu machen und nach ein paar ersten Besuchen war ich recht schnell begeistert von der Idee. Zu Beginn habe ich ehrlich gesagt nicht dran geglaubt, dass unser Vorhaben realisierbar ist, weil ich einerseits überhaupt keinen Blick dafür hatte, wie viele derartige Lokale es noch gibt und andererseits auch nicht daran glaubte, dass ich dort fotografieren darf. Das hat sich zum Glück recht schnell als Irrtum herausgestellt und so ist das Projekt mehr und mehr gewachsen.

Anfang 2015 hatten Clemens und ich das Gefühl, dass wir mit dem Projekt langsam auf der Zielgerade ankommen und sind auf die Suche nach einem geeigneten Verlag gegangen. Wir haben rund 15 Verlage, die uns sympathisch waren, mit einem PDF angeschrieben und das Team von Edition Patrick Frey hat sofort geantwortet und uns nach Zürich eingeladen. Beim ersten Termin in Zürich haben wir dann gemerkt, dass die Chemie stimmt und wir ähnliche Vorstellungen haben, was das Buch betrifft, und als Patrick Frey uns dann eine Zusammenarbeit angeboten hat, haben wir nicht lange überlegt und zugesagt.

Christian Reister: Die „Beisln“, in denen du fotografiert hast, würde man in Berlin wahrscheinlich „Eckkneipe“ nennen. Ein trinkfreudiges Stammpublikum aus der Nachbarschaft, ein eher derber Umgang, jeder kennt jeden, vielleicht so was wie eine eingeschworene Familie – hart aber herzlich. Wie wurde dort reagiert, als ihr dort als Außenstehende aufgetaucht seid, um zu fotografieren und Texte zu machen? Musstet ihr erst ein paar Schnäpse mit trinken oder wie muss man sich das vorstellen?

Klaus Pichler: Wir haben uns beim ersten Besuch eines Lokals noch vor dem Bestellen bei der Person vorgestellt, die hinter dem Tresen arbeitete – wir sind also quasi mit dem Herz auf der Zunge reingekommen und haben unser Projekt vorgestellt. Da die Lokale alle sehr klein sind und neue Gesichter eher selten, haben alle Gäste genau mitgehört, was wir gesagt haben und oft waren wir nach den ersten paar Sätzen schon akzeptiert und unser Vorhaben wurde unterstützt. Das ging manchmal so schnell, dass ich die Kamera noch gar nicht ausgepackt hatte, als die ersten Gäste schon in Fotolaune waren. Ich kann mich erinnern, dass ich einmal nach 5 Minuten in einen Ehestreit hineingezogen wurde, weil beide mir hintereinander ihr Problem mit dem jeweils anderen vorgebracht haben und ich dann vermittelnd eingreifen sollte. Es hat dann fast zwei Stunden gedauert, bis das Problem ausdiskutiert war. Solche Momente empfand ich als großen Vertrauensbeweis und ich habe mich deshalb immer bemüht, diesem Vertrauen gerecht zu werden – oft auch, indem ich die Kamera den ganzen Abend in der Tasche gelassen und einfach zugehört und mitgeredet habe.

Getrunken habe ich übrigens nur Mineralwasser – ich trinke eher wenig Alkohol und hätte es daher als Anmaßung empfunden, wenn ich mit Leuten, die ein Alkoholproblem haben, mitgetrunken hätte, nur um näher an sie ranzukommen. Ich habe mir immer gedacht, dass das auch anders gehen muss und ich dafür keinen Alkohol brauche. Das wurde von den Gästen meistens auch akzeptiert und manchen hat das sogar imponiert.

Christian Reister: Du hast mir auch mal erzählt, dass jedes Bild in dem Buch von dem Abgebildeten freigegeben wurde. Das finde ich sehr erstaunlich, zumal die meisten ja nicht gerade in den vorteilhaftesten Posen abgebildet sind. Gab es auch viele Ablehnungen und wie erklärst du dir, dass so viele zugestimmt haben?

Klaus Pichler: Also wie eine klassische Freigabe mit Model Release und Unterschrift darf man sich das nicht vorstellen, denn die Gäste in den Lokalen haben durch ihre Lebenswege meist eine gesunde Abneigung gegen alles vertragliche und ‚offizielle‘ – stattdessen habe ich geschaut, dass ich die ausgedruckten Fotos so bald wie möglich in den Lokalen vorbeibringe und den Leuten gebe. Einerseits war das ein Weg, mich zu bedanken, andererseits konnte ich so Fotos, die den Abgebildeten nicht recht waren, gleich eliminieren. Zu den Posen kann ich nur sagen, dass das auf den Fotos vielleicht manchmal nicht rüberkommt, dass es sich aber in den meisten Fällen um Selbstinszenierungen der Abgebildeten handelt, die ohne mein Zutun entstanden sind. Die Leute haben mit der Kamera gespielt und große Freude daran gehabt, vor mir quasi ‚Improtheater‘ zu spielen – meistens geht es in den Lokalen ja sehr humorvoll zu und die Inszenierungen und der Galgenhumor gehören einfach dazu. Deshalb haben sich die Leute, wenn sie ihre Fotos sahen, auch meistens sehr amüsiert und waren glücklich damit – die wissen ja ganz genau, aus welcher Schicht sie kommen, welche Lokale sie da frequentieren und welches Bild nach außen sie von sich selbst zeichnen. Dass da miteinander und auch mit sich selbst oft nicht eben schonungslos umgegangen wird, das ist auch klar. Ich denke, wenn man die Texte im Buch liest, merkt man, dass das ein gewisser ‚Wahnsinn mit System‘ ist und wenig zufällig oder unkontrolliert passiert.

Christian Reister: Ich denke, das hat hier auch mit einem gewissen Stolz und einem Selbstbewusstsein zu tun, das ich total schätze. Sicher hätte man bei einer ähnlichen Geschichte in gehobeneren Lokalen ständig damit zu tun, dass sich irgend jemand nicht gut getroffen findet oder sowieso nicht in diesem Kontext öffentlich gezeigt werden möchte.

Klaus Pichler: …wobei das natürlich ein generelles Problem in der dokumentarischen Fotografie ist: an Menschen aus den weniger gut abgesicherte sozialen Schichten kommt man viel leichter ran als an Menschen aus der Oberschicht. Die gehobene Gesellschaft, vor allem die reichsten Kreise, sind relativ hermetisch und man findet nur schwer Zugang, vor allem, wenn man nicht den selben Habitus hat. In den ‚unteren‘ Schichten ist das Miteinander ganz anders organisiert. Zugang findet, wer sich zu benehmen weiss, ganz egal, wie er aussieht oder wie viel oder wenig Geld er hat. Da war der Zugang für mich natürlich viel einfacher. Außerdem, und das sage ich jetzt wertfrei, gibt es in der Oberschicht viel weniger Freiheit, weil es viel um Repräsentation, in der Rolle bleiben und das Gesicht wahren geht – man kann es sich schlicht nicht leisten, sich unverstellt zu geben, da man den Status repräsentieren muss. Deshalb gibt es hier viel klarere Grenzen, was geht und was nicht, was für einen Fotografen natürlich um einiges uninteressanter ist, weil es eben nur ein Blick auf die Fassade, und nicht einen dahinter gibt.

Der Stolz und das Selbstbewusstsein der Leute im Buch hat mir immer sehr imponiert – da gibt es kein Verstecken oder Verstellen, da regiert der schonungslose Umgang, auch mit sich selbst. Hinter jeder vermeintlich rauen Aussage steckt viel Zuneigung und menschliche Wärme. Wenn man das erstmal verstanden hat, dann dringt man zum Kern der Menschen durch und lernt sie von ihrer durchaus stolzen Seite kennen. In den meisten Fällen waren das Leute im letzten Lebensdrittel, die sich meistens vom Wunschdenken, ein neues Leben zu beginnen, verabschiedet hatten und sich deshalb mit ihrem Lebensweg, der oft von Brüchen und Rückschlägen gekennzeichnet war, identifizierten.

Christian Reister: Da ich mich gerade mit einem Wiener unterhalte: wie war das diesjährige Vienna Photobook Festival? Letztes Jahr habe ich immer wieder Stimmen gehört, die meinten, dass der Zenit des Fotobuchbooms so langsam überschnitten sei und zu viele Festivals um das selbe Publikum buhlen.

Klaus Pichler: Für mich hat es sich ein wenig angefühlt wie ein ‚Familientreffen‘, weil sehr viele Leute da waren, die ich kenne und schon lange nicht mehr gesehen habe, was ich sehr genossen habe. Ich finde die Stimmung beim Festival jedes Jahr so angenehm international – man kommuniziert viel offener als im Rest des Jahres und es gibt immer viel zu entdecken, menschlich und inhaltlich. Zum Fotobuch selbst: ich hatte am Festival ein Gespräch mit einem sehr bekannten Fotografen, der seit 25 Jahren Fotobücher veröffentlicht und ich habe ihn gefragt, was der Unterschied in seiner Arbeitsweise und in seiner Art Fotobücher zu gestalten ist, seit es den Boom gibt und die Fotobücher als Objekte konzeptioneller und künstlerischer designed sind. Er meinte, dass der wichtigste Unterschied zu früher für ihn ist, dass die Fotos selbst nicht mehr so gut sein müssen, weil man das mit dem Buchdesign kaschieren und dadurch auch aus mittelmäßigen Fotos schöne Doppelseiten und Bücher gestalten kann. Ich denke, das trifft den Kern des Problems ziemlich genau – es gibt zu viele Bücher mit zu wenig echter Substanz, fotografisch wie inhaltlich, und dadurch fällt es schwer, den Überblick zu behalten und wirklich gute Bücher zu finden. Das bringt eine gewisse Resignation mit sich, und darunter leidet das Medium Fotobuch ganz bestimmt. Ob das längerfristig zu einem Rückgang führen wird, wage ich zu bezweifeln, was aber ganz bestimmt passiert, ist, dass gute Bücher übersehen werden.

Christian Reister: Die familiäre Stimmung in Wien fiel mir letztes Jahr auch auf. Gerade im direkten Vergleich zu Kasseler Festival war das ein großer Unterschied. Und in Berlin gibt es nichts vergleichbares – da verzettelt sich alles in sehr viele verschiedene Grüppchen und Kreise. Die Wiener Fotografenszene scheint mir viel überschaubarer und gut vernetzt. Da kennt irgendwie jeder jeden, man scheint sich Erfolge zu gönnen, statt zu neiden, und wenn einer ein neues Buch macht, kauft man das allein schon aus Solidarität. Ich übertreibe jetzt ein wenig, und wahrscheinlich sieht es hinter den Kulissen dann auch etwas anders aus?

Klaus Pichler: Wien ist eine Ansammlung von vielen Dörfern, sagt man, und deshalb kennt auch jeder jeden. Ich finde die gegenseitige Unterstützung in Fotografenkreisen generell sehr angenehm – das ist etwas, was die Fotografieszene meiner Meinung nach sehr auszeichnet. Natürlich teilt es sich auch hier in verschiedene Grüppchen und Szenen auf, aber die Vernetzung funktioniert sehr gut. Ich denke, es liegt auch daran, dass es nicht die eine, große Institution gibt, die alles dominiert, sondern eine Vielzahl von Einzelinitiativen und kleineren Orten oder Festivals, die das Feuer beständig am Brennen halten. Das reißt mit und hält die Begeisterung am Leben.

Christian Reister: Welcher Bereich hat für dich den größeren Stellenwert: redaktionelles Arbeiten, Auftragsarbeiten oder die freie Kunst?

Klaus Pichler: Für mich macht es die Mischung aus allen drei Betätigungsfeldern aus, die das Feuer am Brennen hält. In den künstlerischen Arbeiten steckt natürlich am meisten Herzblut, weil es meistens Serien sind, an denen ich jahrelang gearbeitet habe. Die Kombination von künstlerischen Projekten und Aufträgen ist eine ganz bewusste Entscheidung, weil ich weiß, dass ich, wenn ich mich nur den künstlerischen Arbeiten widmen würde, über kurz oder lang irgendwas zwischen seltsam und wahnsinnig werden würde .Wenn ich an einem Projekt arbeite, dann gibt es nur das Projekt und nichts anderes, und das geht manchmal ganz schön an die Substanz. Deshalb ist es ganz angenehm, zwischendrin immer wieder Aufträge zu machen, weil sie mich irgendwie erden. Deshalb schätze ich die Aufträge sehr, weil ich dabei flexibel sein muss, mit Menschen in Kontakt komme und als angenehmer Nebeneffekt auch noch eine ständige technische Weiterentwicklung stattfindet. Am schönsten ist es natürlich, wenn irgendjemand eine künstlerische Arbeit von mir sieht und auf diesem Weg meine Auftragsarbeiten entdeckt und mich bucht. Da ist dann meistens die Freiheit sehr groß und ich kann meine Vorstellungen umsetzen, ohne große Kompromisse eingehen zu müssen.

Christian Reister: Eine Auftragsarbeit, die erst vor kurzem weit über den eigentlichen Kontext heraus Aufsehen erregt hat, war die Serie für Schock, eine Firma, die Küchen-Spülen herstellt. Sie lebt von verrückten, surrealen, fast psychedelisch anmutenden Bildideen und wilden Kombinationen aus „echter“ Fotografie und Photoshop-Geniestreichen. Schon die Idee, ein Küchenthema mit Pudeln und in derart schrillen Farben zu illustrieren, ist ja nicht ganz naheliegend. Wie wurdest du hier gebrieft? Sind die Bildideen im Team entstanden, waren sie exakt vorgegeben oder ist das auf deinem eigenen Mist gewachsen?

Klaus Pichler: Die Zusammenarbeit mit Schock ist genau so ein Idealfall wie gerade beschrieben. Sie haben mich vor zwei Jahren wegen ‚Just the two of us’, meiner Serie über Menschen und ihre Verkleidungen, kontaktiert, weil sie den Wahnsinn der Serie ähnlich in ihre Werbelinie integriert haben wollten. Ich habe dann noch Katharina Schaffer an Bord geholt, eine befreundete Stylistin und Grafikerin, weil ich im lieber im Team arbeite und gewusst habe, dass sie ein gutes Gefühl für Farben und Requisiten hat. Die Zusammenarbeit mit Schock geht mittlerweile ins dritte Jahr, derzeit bin ich wieder mit neuen Bildern für den Katalog 2016/2017 beschäftigt. Beim Brandbook des Vorjahres gab es kaum ein Briefing, außer, dass die Bilder der Spülen mit Tieren, bunt und positiv irritierend sein sollten – ansonsten bekamen wir völlig freie Hand. Wir haben dann, aufbauend auf die Markenwerte, vier Tiere ausgewählt (Pudel, Flamingo, Waschbär, Schildkröte), die die Hauptdarsteller der Bilder werden sollten und ein paar Skizzen gemacht – der Rest ist dann recht intuitiv entstanden. Wir haben dafür ein Kellerlokal gemietet, in dem wir unser Studio aufgebaut und uns drei Monate lang so richtig ausgetobt haben – mit Farben, Tieren, Requisiten etc. Es war eine sehr lustvolle und kreativ fordernde Aufgabe, die Spülen zu inszenieren und mit Tieren zu bespielen, und wir sind dabei definitiv Meister an der Stichsäge und am Farbroller geworden.

Christian Reister: Es steckt da, wie bei deinen freien Arbeiten, ein immenser Aufwand dahinter. Irgendwo habe ich mal über die Entstehung deiner Serie „One Third“ gelesen – Stillleben verdorbener Lebensmittel. Das ist ja nicht nur technisch und von der Inszenierung her auf höchstem Niveau – auch der ganze Aufwand drum herum mit den ganzen verschimmelten Lebensmitteln kann man sich kaum vorstellen. Die Lagerung, der Verwesungsprozess etc. Erzähl mal…

Klaus Pichler: Ich bin ja eigentlich gerne faul und denke mir bei jeder neuen Projektidee, dass ich es diesmal mit weniger Aufwand angehe, aber dann passiert es jedes Mal, dass der Ehrgeiz mit mir durchgeht und ich mir denke, wenn ich es jetzt schon mache, dann ordentlich, und dann ufert es aus. Das gehört mittlerweile zu meiner Arbeitsweise irgendwie dazu und ich mag das auch, weil ich eben vorher nie genau weiss, was hinterher rauskommt und durch die lange Arbeit dann immer ein Punkt erreicht wird, an dem ich es fast als Befreiung empfinde, wenn ich beschließe, dass ich fertig bin.

Bei „One Third“ hat es auch harmlos begonnen, ich habe halt zwei Plastikkisten für die verschimmelnden Nahrungsmittel in meiner Toilette gestapelt und gewartet, was sich bei den darin gelagerten Sachen so tut. Ich habe dann recht bald gemerkt, dass der Faktor Zeit wichtig ist und dass manches nicht so wird, wie ich das wollte und ich deshalb neu starten muss. Deshalb waren es am Schluss 13 Kisten und zwei blockierte Räume, dazu kamen ungefähr eine Million Mücken, eine ausgewachsene Paranoia und leichter Putzzwang. Ich habe mir damals gedacht, dass ich, wenn ich das Projekt für mich selbst glaubwürdig umsetzen will, auch mit den Nahrungsmitteln koexistieren muss – deswegen der ganze Wahnsinn. Insgesamt aber eine bereichernde Erfahrung, die ich – jetzt mit ausreichend Sicherheitsabstand – nicht missen möchte.

Christian Reister: Wer organisiert das alles? Assistenten? Ein Pichler-Büro?

Klaus Pichler: Haha, nein, das mache ich alles selbst. Ich mag es, eine One-Man-Show zu sein und alles klein und überschaubar zu halten, mir aber für Sachen, die ich nicht alleine machen kann oder will, Leute zu suchen, mit denen ich dann kooperiere. Für mich ist das zentrale Element rund um die Fotografie immer noch die Leidenschaft und die Freude daran, und deshalb schaue ich, dass ich immer den Überblick behalte und so viel wie möglich selbst erledige. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bedeuten ja immer auch Verantwortung, weil es eben Leute sind, die von einem abhängig sind, und deshalb habe ich mich bewusst dagegen entschieden, mit Gewalt zu expandieren – so kann ich auch garantieren, dass jedes Projekt und jeder Job, den ich mache, mit voller Konzentration entsteht und ich nichts machen muss, das ich nicht machen will.

Christian Reister: Spontan: drei Fotobücher oder -ausstellungen, die dich in letzter Zeit beeindruckt haben?

Klaus Pichler: Ich bleib mal bei den Büchern, weil die eher mein Metier sind als Ausstellungen. Meine drei ewigen Fotobuch-Lieblinge, die mich seit Jahren begleiten und die ich immer wieder mal ansehe sind ‚Das Land‘ von Manfred Willmann, ‚Office‘ von Lars Tunbjörk und ‚Ray’s a laugh’ von Richard Billingham. Diese drei Bücher ziehen mich auch nach dem hundertsten Ansehen immer noch in ihren Bann, weil sie alle etwas haben, das ich ‚Melodie‘ nennen würde, also eine Dramaturgie und einen Sog, der etwas mit einem anstellt, während man die Bücher ansieht. Außerdem habe ich gerade einen schon älteren Roman gelesen, der mich durch seine eindringlichen Beschreibungen und die Originalität der Sprache sehr beeindruckt hat, nämlich ‚Verlorene‘ von Cormac McCarthy.

Christian Reister: Gib uns doch zum Abschluss noch einen Ausblick, was als nächstes von dir zu erwarten ist.

Klaus Pichler: Derzeit stecke ich mitten in den Arbeiten zum nächsten Buch, das programmgemäß im September erscheinen wird. Fotos und Texte sind schon fertig, jetzt geht es ums Layout und um die Auswahl der passenden Materialien. Thematisch und auch ästhetisch wird es wieder völliges Neuland werden, wie man es von mir kennt – ich mag es ja, mich mit jedem Projekt quasi neu zu erfinden, aber trotzdem einen roten Faden erkennbar werden zu lassen. Mehr mag ich noch nicht verraten, weil ich es für das Projekt am besten finde, wenn es ohne vorauseilende Erklärung erscheint, aber so lange ist es ja nicht mehr hin bis September.

Danke jedenfalls für das Interview und die spannenden Fragen, hat mir sehr viel Freude gemacht.

Christian Reister: Und mir erst, vielen Dank zurück!

Klaus Pichler ist Fotograf und lebt in Wien. In den letzten Jahren hat er mehrere erfolgreiche Fotobücher veröffentlicht, zuletzt „Golden Days Before They End“ (Edition Patrick Frey, 2016), „Dust“ (Anzenberger Edition, 2015) und „Just The Two Of Us“ (self-published, 2014).

www.kpic.at

Foto links: Klaus Pichler, fotografiert von Florian Rainer

„In the end the book is the thing that lasts“ – Christian Reister in conversation with Ken Schles

Ken Schles, Book trailer for „Night Walk“

Christian Reister: The photographs in your current exhibition at Deichtorhallen, Hamburg, were taken in New York’s East Village in the 1980s. They’ve been published in your books Invisible City (1988, re-published 2014 and reprinted 2016) and Night Walk (2014, 2016). What are the main differences in the editing of these books?

Ken Schles: I made the book Invisible City when I still lived in the East Village. I was 28 when the book came out. It was a hard time for me, a difficult place to live with the crime: …junkies …drug dealers …going to court with the landlord after he abandoned the building …having difficulties with police …all the senseless violence …the deaths from AIDS, suicides, drug overdoses. I don’t talk about any of this in the book(s) specifically, but I think there’s a mood, a sensibility that comes across.

Night Walk had a different genesis. I made that book as a look back at that time and place and those people. In Invisible City I was conscious not to repeat images of people, not to have the same person recognizable in more than one photograph. I didn’t want the book to feel like it was telling the story of any one person. But Night Walk —I wanted the images of certain individuals to repeat, to have stories interweave. I liked that in Night Walk you saw some of the same characters over and over again.

The two books also have different structures. The structure of Invisible City is not linear. The pictures are taken in different places, at different times, day to night, night to day, back and forth. There really isn’t an implied line of time running though the book. It’s almost as if everything is happening all at once, all at the same time. But Night Walk is structured as an extended, almost excessively long evening. I remember at that time for me in New York the evenings would go on seemingly forever… I’d go out and maybe see a performance or go to a gallery opening. Then there’d be dinner or a party afterwards. Then a walk through the streets – I’d go from one place to another, into a club or then to a bar, and on to the next place… by the end of the night you might end up in a quiet place, alone or in someone’s apartment. The cover image on the book shows a person walking away with the title Night Walk above him – it’s as if the’s walking into the book and it’s the beginning of his journey – but I end the book with this same image, which shifts its meaning. Now you feel like the night is over and you’re walking away into the morning light, into some unknown future. So, in editing and sequencing, Night Walk is very different from Invisible City. It’s built upon a very different kind of narrative structure.

Poster

Christian Reister: In the exhibition at the Deichtorhallen images that form the books Invisible City and Night Walk are mixed together. We don’t see just one book and then the other. It creates a third story…

Ken Schles: Yes, I think the exhibition has become a third story. It’s neither Invisible City nor Night Walk. I wanted to mix it up.

In a gallery space or in a museum you don’t necessarily go straight from one picture to the other like you might in a book. I wanted to play some pictures against others in new or unexpected ways. It’s another way to tell my story. An exhibition is very experiential. It’s about how you move through space and connect one image to the next or a group of images on one wall to another and what you might see when you turn a corner. The space here is configured like a spiral. I wanted to take advantage of that. The first big picture (of a woman passed out on a toilet) announces the exhibition and sets the tone. We painted the first wall behind it black with a small bit of text to give an introduction and further set the mood. Then there’s the main wall in a big open space that’s clad in metal. It becomes sculptural, monumental. There’s another black wall at the end. This acts like a coda, but refers to that first black wall in scale and it has a short poem by Kathy Acker applied to it in large type. Just before that wall we have the biggest image that was ever printed and mounted for exhibition in the Deichtorhallen, which you see only if you turn the corner. It comes as a surprise and takes up an entire wall. Because the Deichtorhallen is so soaring an exhibition space you can experiment with it in dramatic ways.

Christian Reister: The wall covered with aluminum plates with color stains on them: I see you’ve mounted the pictures rather classically with mats in black wooden frames on the metal. What’s the idea behind it?

Ken Schles: It was a way for me to formally change the museum space and bring another sensibility to the exhibition. There are several references here: The metal plates are used printing plates. I love books so there’s the reference to my books and to the printing process. But the initial question was how can we map this museum space and connect it to my New York of the 80s? I was thinking about Andy Warhol’s Factory – he had aluminum foil and silver paint covering the walls of his studio. Also, in New York during the 80s, the „industrial look“ was big. Many spaces were repurposed factories or slaughterhouses and some bars and club spaces would have metal walls. At the time it was installed as commentary or was simply an easy and cheap method to cover up crumbling walls. There’s also another reference for me (that I just remembered). When I moved into my place on Avenue B, I put a steel plate and deadbolt lock on the door of a room I eventually made into my darkroom. It effectively made the room into a safe. I kept all my valuables in it. Even when my apartment was broken into whatever was inside that room was kept safe. The window in that room had already been boarded over with plywood and reinforced with steel pipes. Nobody could get in there.

Christian Reister: At the official artist talk at Deichtorhallen you showed book trailer videos. Again, another way of dealing with the same images. Now combined with music and text. This adds even more layers to the work.

Ken Schles: I think all these approaches offer different entry points to the work. Different ways for someone to make contact, to make a connection. The books are a good place for the work to end. But you can enter the work from any number of points: maybe you’ve seen a video online, maybe one picture piqued your interest, or maybe you’ve read a text about it or heard a story of what New York was like at that time. You might become interested, maybe Google my name, and more images pop up. Maybe you’ll go the exhibition to see the pictures on the wall or become curious about the wall itself… or pick up a book.

They’re all different points of entry. Different ways to get to that place, to evoke that time. It allows me raise issues about being in that particular time and place, and pose the question of what it was to be and struggle and live in such a harsh place; to love and feel loss and to discover the world. They’re multiple ways to engage the viewer, points of seduction, if you will. Different ways in which the work might penetrate someone.

Ken Schles, Book trailer for „Invisible City“

Christian Reister: Have you lived in New York your whole life?

Ken Schles: I was born in Brooklyn [in NYC], we moved to Queens [also in NYC] when I was 5 years old, then we moved to the suburbs when I was 12. As soon as I got out of high school I ran straight back to the city with a couple of friends. I moved to the East Village when I was still just 17. All within a 50 mile radius, but mostly within a 20 mile radius.

I was very young when I moved to the East Village, so in a lot of ways I feel like I grew up in the Village. I started taking pictures for Invisible City in 1983. By then I had lived in the neighborhood for 5 years.

The City was a mess at the time. It was very dangerous, the neighborhood I was living in was one of the worst in the city. I wanted to photograph full-time but couldn’t find enough work. So I worked as a photographic printer to stay connected to it, but also had many other jobs. Jobs like the ones one has when one first is getting started. I worked as a bus boy in a restaurant, as a photographer’s assistant. For a while I drove a truck and moved art work. It was great to see how other artists worked, I met everyone from Richard Serra to Robert Longo and many, many, many other artists. I was very connected to the art scene in the East Village and documented other artist’s work for the galleries or the artists. I photographed one of Jeff Koons’ early solo shows at International with Monument on 7th Street and documented work for my friends Group Material, started by a fellow classmate of mine, Doug Ashford. Julie Ault was also a founding member. She was in a relationship with Andres Serrano, so we met before his career blew up.

Christian Reister: For a photographer I can’t imagine a better place to be than New York at the time. The „New York School“, Robert Frank, Diane Arbus, Winogrand, Meyerowitz, the ICP, Magnum etc. Did you feel connected to the „scene“?

Ken Schles: I did feel connected to the scene and this history of photography.

Christian Reister: To the history only or to the „community“ also?

Ken Schles: Both. I was working with Gilles Peress quite intimately (in a very literal sense, as the dark room in his loft on the Bowery was next to his bed). His loft apartment was in the same small building as Lenny Kaye’s place. Lenny is perhaps best known as Patti Smith’s guitarist. They lived a block down the street from CBGBs (which was around the corner from Robert Frank’s apartment – though we didn’t meet until several years later). …I felt a great connection to Gilles. I started working for him while I was still in school and continued after I graduated. It felt more like a peer relationship, not a professor/student relationship like I had with Lisette Model, for instance.

Gilles Peress was a good transition for me to see how to make one’s work in the world. He also hooked me up to some of the other Magnum photographers, so I worked as their printers too: Burt Glinn, Elliot Erwitt, Erich Lessing. And of course, in New York photography was always there – in the book stores, at the galleries and in the museums.

There was a lot of photography happening for sure, and several scenes were going on simultaneously but none of it really fit what I was doing. I was a bit of an outsider everywhere. At the time the art photography scene was heavily influenced but what was called „set up photography“ where people would use tableaux and there was also a big push to appropriate or subvert images or use them in conceptual or political practice. I’m thinking of Louise Lawler, Laurie Simmons, Sherrie Levine, Cindy Sherman, Lorna Simpson, artists like that. There were artists that were doing portraiture: Robert Mapplethorpe or Peter Hujar, Avedon. And then there were traditional documentary and editorial photographers, I think of the many artists showing with Aperture at the time, like Danny Lyon or Chris Steele-Perkins or the Magnum roster of photographers. Or photographers who might be documenting the scene and photographing in the clubs – Wolfgang Wesener, and Volker Heinze comes to mind, for example, he came here to the opening at Deichtorhallen. He did a couple of books on the a big nightclub at the time in NYC that had a connection to the art scene. A place called Area. But I wasn’t interested in using my images to promote particular venues, celebrities or any of the „scene.“ I was very careful about how my work was shown and in what context. Even in this here at the Deichtorhallen exhibit I don’t caption the images. It’s seems to me in this instance that they’re not necessary to understand the work, but at the time, what information captions contained became the primarily reason people showed interest in the work.

I was known in the community and showed my work in local galleries in the neighborhood. But it wasn’t necessarily with other photographers. At the time neb-expressionist work was big, not photography. It was the work of painters and sculptors. And then also performance artists. Graffiti artists, musicians.

The music scene was getting huge. It was the first to cross over into mainstream culture. Punk rock. No Wave. New Wave. Hip Hop was just beginning. You’d see breakdancers on the street, heard early rap music on the streets and in the clubs. „The Message“ by Grand Master Flash was the first rap song. Run-DMC, The Beastie Boys. A friend of mine had a painting studio with the graffiti artist Fab 5 Freddy. There wasn’t this separation of the different genres yet. Everybody downtown was mixing together. Gay culture, punks, artists. It wasn’t until later that these groups started isolating themselves within their own communities.

Christian Reister: Talking about the music scene – I have read somewhere that there are more than a hundred album covers with your photos in them. Alicia Keys, Lou Reed, Green Day, Spin Doctors, Dream Theatre and lots more. Did they use photos form your existing work or did you do assignments for them?

Ken Schles: Yes, but that came a little later. I was commissioned by the bands and record labels. For Lou Reed they wanted to see some personal things, pictures I shot in the neighborhood. Naked City, the avant-garde jazz group headed by John Zorn, Fred Frith and Bill Frisell, were probably the first group to get in touch with me… but most of that work came after Invisible City was out. Some creative directors at the big record labels became aware of what I was doing. One day this agent from Los Angeles called me and said „Your work is so hard …but I absolutely love it. The next time when I’m in New York we should get together and talk.“ Afterwards the music work came.

That started around 1990. I was dead broke at the time, there was a recession hitting. The art market bubble burst and the East Village gallery scene was collapsing so I jumped into the music world. It was a ton of fun because I worked with creative directors who said „we love your work, we think it’s a great match for this band or such and such an artist.“ Sometimes I would hang out with the artists and we’d develop ideas together. There was lots of travel – New York, Seattle, Los Angeles, wherever. Those may have been assignments, but they were very creative, not to mention fun to produce.

Christian Reister: So you finally made your living as a commercial photographer?

Through the years I’ve done a lot of commercial work. I’ve always loved the collaborative aspect of it. And it wasn’t just straight commercial work that I was doing. I was shooting a lot of documentary and portraiture. I’ve had six covers of Newsweek, I’ve done feature stories for the New York Times Magazine or FAZ and Tempo here in Germany. It was a big range of work. I was always excited to find myself in new situations. I think it’s broadened my world view and given me insight to people and places I would’ve never had access to.

Now I try to focus mostly on my own work – to write, to do books and exhibitions. It’s a good thing for me to focus on right now. I see now how so much of the commercial and editorial work was utterly disposable.

Christian Reister: As you know, I live in Berlin and we have this very successful photography exhibition venue called c|o Berlin. You did a solo show there when they were still located at Linienstraße, Mitte, before they moved to the much bigger Postfuhramt, Oranienburger Straße, right?

Ken Schles: Yes, it was the first time I was in Berlin. Markus Schaden hooked me up with Markus Hartmann at Hatje Cantz for my book The Geometry of Innocence, published in 2001. The exhibition at c|o Berlin was around 2002. I met Stefan (Erfurt, head of c|o Berlin) about a year before that. He told me he was in New York for a short period of time in the 1980s. He had a real affection for my work and what it depicted. At first we were talking about showing Invisible City but by the time we met, I was already working on The Geometry of Innocence for 12 years. So when that book was published it seemed to make the most sense.

Christian Reister: How is it working with Steidl?

Ken Schles: Oh! I’ve had the whole Steidl experience. In more than one way too… (laughs). We were supposed to have reprints of my books ready for the opening here at Deichtorhallen but… but… I mean, even saying that, I really respect what he does and how he does it! For Gerhard there are always openings here and there and so, because of that, there’s often deadlines everywhere. Yes we should try to meet those deadlines, of course, but in the end the book is the thing that lasts. Forever. And I have always felt that as well.

In the end it’s the book that matters and things that really matter shouldn’t be rushed. One needs to be precise about it. To go to Göttingen and stay at Steidlville was like going on a spiritual retreat, except it’s a retreat for photobooks. Gerhard (Steidl) has done tens of hundreds of books at this point and he has more than a thousand in his library. If it takes a couple of more weeks to make a book right – take a couple of more weeks. Don’t compromise the book. Because once it’s done, you can’t go back and fix it. There’s no fixing it.

I think that’s something that’s missing in much of the contemporary photobook world. There’s a sense of – well, you can produce books pretty easily now, the technology is easily accessible. You can show things in process too. I understand that desire and understand that the technology and all the various platforms allows us – even encourages us – to take that kind of approach. But I don’t know if it’s always the right solution. The technology, the platforms, social media – they open us up to new avenues for thinking and allow us to explore ideas in new ways, but we have to decide whether we want to go down those avenues. We have to decide and ask ourselves – especially if we have a statement to make: “Should this be the final form? Is this really the best way to say what I have to say?” We have to take care.

Christian Reister: Thank you very much, Ken, for taking your time.

Ken Schles (* 1960) is a photographer based in Brooklyn, New York.

Photobooks: Invisible City (1988, 2014, 2016), The Geometry of Innocence (2001), A New History of Photography: The Word outside and the Picture in our Hands (2008), Oculus (2011), Night Walk (2014, 2016).

www.kenschles.com

Portrait by Christian Reister

„Berlin Wonderland wird nicht das einzige Buch von bobsairport bleiben.“ – Anke Fesel und Chris Keller im Interview

Fotos: Ben de Biel (1, 2, 4, 5) und Rolf Zöllner (3, 6) aus dem Buch „Berlin Wonderland“

Christian Reister: Wer ist Bob?

Anke Fesel: Bob ist die Kurzform für bobsairport, eine von uns – Anke Fesel und Chris Keller – 2007 in Berlin gegründete Fotoagentur. Der Name geht auf eine whisky-selige Anekdote von Tom Waits zurück, die er in der Bühnenshow zu „Big Time“ erzählt: „Well… I had a rough flight down here, you know. I don’t know, we came in… we didn’t come into L.A. actually, we came into Bob’s Airport! (laughter) Eh, actually my reaction was the same as yours. Eh, but when you think about it, Bob’s there all the time, you know? It’s very simple, they have a little lobster bar there and eh… I gotta introduce you to Bob, you’ll love Bob.“

Christian Reister: Aja, verstehe: der Name bobsairport gibt für eine Fotoagentur also ungefähr so viel Sinn wie Obst und Muse für einen Blog mit Gesprächen über Fotografie. Was hat euch vor acht Jahren dazu veranlasst den Fotomarkt um eine weitere Agentur zu bereichern? Wo lagen und wo liegen heute eure Schwerpunkte und was unterscheidet euch von anderen Stockagenturen?

Chris Keller: Anke hat mit ihrem Grafikbüro ja schon lange Buchcover gestaltet, für die wir auch viel selbst fotografiert haben. 2005/2006 wollte die Bildagentur photonica eine Auswahl unserer Fotos in ihr Portfolio aufnehmen. Leider wurden sie genau zu dem Zeitpunkt von Getty aufgekauft. Getty und Corbis verleibten sich damals viele der kleineren spezialisierten Agenturen ein und es wurde immer schwieriger, in diesen riesigen Archiven taugliches Bildmaterial zu finden, das sich für die Gestaltung von Buchcovern eignete. Aus dieser Situation entstand die Idee, dem Missstand mit einer eigenen Agentur zu begegnen. Der Schwerpunkt bei bobsairport liegt in der Buchcover-Fotografie, es zeigt sich aber, dass die Kollektion auch für Magazine und Feuilletons interessant ist. Wir möchten die einzelnen Fotografen und ihre Bildsprache zeigen und bieten die Bilder ausschließlich in Form von RM Lizenzen an.

Christian Reister: Eure Website listet über 80 Fotografen, die meisten sind zumindest unter Insidern in Berlin recht bekannt. Wie würdet ihr euer Spektrum beschreiben? Was muss ein Fotograf mitbringen, um bei euch aufgenommen zu werden?

Chris Keller: Unser Spektrum ist vielfältig, da wir Bildautoren mit einer eigenen fotografischen Handschrift vertreten. Die Fotografen müssen ein ausreichend großes Portfolio mitbringen, wobei egal ist, ob das Material sw oder farbig ist, analog oder digital aufgenommen wurde. Eine Besonderheit von bobsairport gegenüber anderen Bildarchiven besteht darin, daß wir keine Kollektionen vertreten, sondern uns ganz auf die Arbeit mit unseren Fotografen verlassen. Durch dieses Vorgehen und die damit verbundene Verfahrensweise, das Archiv aus handverlesenen Motiven zu bestücken, ist über die Jahre eine Sammlung mit zeitgenössischer Fotografie entstanden, die sich von gängigen Stockarchiven abhebt und Material zulässt, das mit seiner künstlerischen Position in diesem Kontext überrascht.

Christian Reister: bobsairport ist mittlerweile nicht nur als Agentur, sondern auch als Herausgeber bekannt. Oder kann man dazu schon Verlag sagen? Euer Buch „Berlin Wonderland“ über die frühen 90er in Berlin steht jedenfalls in jedem Buchladen und geht bereits in die zweite Auflage. Erzählt uns doch ein bisschen wie es dazu kam…

Anke Fesel: Die Idee zu dem Buch hatten wir schon lange. Zum einen spiegelt es unsere eigene Geschichte – wir sind beide 1990 nach Berlin gekommen und haben uns durch unsere Beteiligung an Projekten wie Tacheles, Eimer und Schokoladen kennengelernt. Zum anderen wußten wir um das großartige Bildmaterial, das sich in den Archiven verschiedener Fotografen befand. Von Ben de Biel, der ungefähr die Hälfte der Bilder zum Buch beigesteuert hat, stand eigentlich immer ein Satz Archivordner in meinem Grafikbüro, weil Ben und ich die Bilder für Flyer seines Clubs Maria am Ostbahnhof genutzt haben. Chris und er sind schon seit Schulzeiten befreundet und haben sich auch in Berlin bei vielen gemeinsamen Projekten begleitet. Hendrik Rauch, Philipp von Recklinghausen und Rolf Zöllner kannten wir durch die gemeinsame Arbeit bei der Stadtzeitung „scheinschlag“, für die ich als Gestalterin tätig war, Stefan Schilling aus dem Tacheles, Hilmar Schmundt aus dem Schokoladen und Andreas Trogisch war uns als begnadeter Gestalter vertraut.

Als es dann tatsächlich um die Realisierung des Buches ging, haben wir das Projekt verschiedenen Verlagen vorgestellt, mussten aber feststellen, dass sich niemand so recht an das Thema heranwagen wollte. Wir hatten uns fest vorgenommen, das Buch im Frühjahr 2014 und damit rechtzeitig vor dem Jubiläum zum 25-jährigen Mauerfall herauszubringen und haben es dann kurzerhand selbst verlegt.

Christian Reister: Ich würde ja mal tippen, dass eure Insidersicht genau das ist, was das Buch so faszinierend macht und von konventionellen Berlinbüchern abhebt. Man merkt einfach, dass ihr dieser Szene sehr verbunden seid, nicht zuletzt, weil eure Gesichter ja auch immer mal wieder in dem Buch auftauchen. Aber auch die Buchgestaltung ist großartig – alles selbst gemacht?

Anke Fesel: Ja, für die Gestaltung zeichnet unser Grafikbüro capa verantwortlich, es war also sozusagen eine Kooperation unserer beiden Unternehmen. Dadurch, dass wir das Buch selbst verlegt haben, hatten wir auch, was die Gestaltung betrifft, freie Hand und konnten das Buch in genau die Form bringen, die wir haben wollten.

Christian Reister. Mir fiel auf, dass sehr bald nach der Veröffentlichung viele große Onlineportale (n-tv, Spiegel, Die Zeit, Morgenpost…) Bildergalerien zu dem Buch brachten, auch offline ist das Buch viel rezensiert und beachtet worden. Hat euch der Vertrieb – der „Gestalten Verlag“ – viel von der Pressearbeit abgenommen oder habt ihr diesen Part selbst übernommen?

Chris Keller: Unser Vertrieb Gestalten hat eine hervorragende Pressearbeit gemacht und zudem hatten wir natürlich auch einige eigene Kontakte. Es ist aber auch so gewesen, daß das Thema von der Presse sehr dankbar aufgegriffen wurde.

Christian Reister: Anke, du hast gesagt, ihr seid beide 1990 nach Berlin gekommen. Ihr wohnt noch immer in Berlin-Mitte, auch die Agentur hat ihren Sitz in Mitte. Das ist ja jetzt fast ein viertel Jahrhundert! Kriegt man da nicht auch mal den Mitte-Koller? Und hättet ihr die Wahl – würdet ihr euch die 90er zurückwünschen?

Anke Fesel: Wir sind immer noch gerne hier, auch wenn wir nicht jede Entwicklung begrüßen. Das funktioniert aber nur, weil wir auch versuchen, die Stadt so häufig wie möglich in verschiedene Richtungen zu verlassen. Das gelingt nicht immer gleich gut, während wir das Buch gemacht haben z.B. überhaupt nicht, dann droht doch Lagerkoller. Ich glaube, die 90er wünschen wir uns beide nicht pauschal zurück. Ich vermisse aber das Unfertige, Unperfekte und Improvisierte dieser Zeit.

Christian Reister: Plant ihr als bobsaiport weitere Bücher oder werdet ihr euch jetzt wieder mehr auf die Agentur konzentrieren?

Chris Keller: „Berlin Wonderland“ herauszugeben hat uns schon sehr viel Spaß gemacht. Es war ja auch eine sehr gute Gelegenheit, unsere unterschiedlichen Tätigkeitsfelder in einem Projekt zusammenzubringen. Dass das Buch mit so viel Interesse aufgenommen wurde, ist für uns natürlich zusätzlich ermutigend. Ich denke, es wird nicht das einzige Buch von bobsairport bleiben, auch wenn wir uns nun verstärkt wieder dem Tagesgeschäft der Agentur zuwenden werden.

Ausstellung

Noch bis 22.11.2014, Mo–Sa 12–18 Uhr
Gestalten Space, Sophie-Gips-Höfe, Sophienstraße 21, Berlin Mitte

What we found and what we lost

Fr 21.11.2014, 17 Uhr, Radialsystem V, Holzmarktstraße 33, 10243 Berlin
Ein langer Abend mit Filmen, Performances, Diskussion, Suppe, Ausstellung und Musik.
Filmbeiträge Klaus Tuschen und Marco Wilms
Diskussion mit Tim Renner, Dimitri Hegemann, Christoph Langscheid, Steffi Lotta, Christoph Klenzendorf, Jutta Weitz, Brad Hwang und Francesca Miazzo, Moderation Jochen Sandig und Chris Keller
Performance Marva Maschin Klan
Videoinstallation Manuel Zimmer – AK Kraak
DJ ED 2000
mehr Informationen unter www.radialsystem.de

Anke Fesel und Chris Keller, bobsairport

Die Bildagentur bobsairport wurde 2007 von der Gestalterin Anke Fesel und dem Musiker und Fotografen Chris Keller in Berlin gegründet. Das Archiv der Agentur umfasst eine hochwertige Auswahl zeitgenössischer Fotografie.
Mit dem Bildband „Berlin Wonderland“ trat bobsairport 2014 erstmals auch als Verlag in Erscheinung.

www.bobsairport.com
www.berlin-wonderland.de

My photography has always aspired to go beyond the obvious – Christian Reister im Gespräch mit Thomas Kern

Alle Fotos aus dem Buch „A Drug Free Land“ von Thomas Kern
published by Edition Partick Frey, ISBN: 978-3-905509-90-8

 

Dieses Interview aus dem Jahr 2011 ist zuvor in leicht veränderter Form auf der Seconds2Real und American Suburb X erschienen.

 

Christian Reister: Thomas, how and when did you start photographing?

Thomas Kern: I became fascinated by photography at an early age. At home, there was a camera, but it was rarely taken out of the closet, which lead to the fact that the colorfilms inside that camera were only processed after years and the pictures often had this yellow tint – hence maybe my scepticism towards color photography… When I was 15 years old my art teacher asked me if I was interested in having an enlarger. It was not even his, but belonged to an artist friend of his, who was trained as a photographer, but turned painter, which was an early hint at me that photography was not a mean in itself, but rather another way of expressing yourself through art. I gracefully accepted the gift and set up my first darkroom in the laundry room of my parents house. There was a light tight closet under the basement stairs where I could fill my rolls into the tank.

I was immediately hooked and fascinated by what happened in the darkroom. The reappearence of things I had seen or imagined and the combination of the two whenever holding up a camera still amazes me until today. After highschool I applied for entry to the photography department of the Kunstgewerbeschule in Zürich. I wasn’t accepted and subsequently started working as an assistant to a fashion photographer, later more studio and stillife. Later I entered an apprenticeship, still taking classes at the Kunstgewerbeschule. During this time I learnt the whole craft side of photography. At the end of my education I knew that it wasn’t advertising and the world of fashion that would give me the kick. I was already on track to get into the world of photojournalism. At the time I was also working as a camera assistant for documentary film projects and as camera man for some television productions.

In 1989 I started working full time as a photojournalist and one year later I was the co-founder of the photographers agency lookat photos, a project that acoompanied me for the next 15 years. My first subject of choice was the situation in Northern Ireland. From there on I embarked on a journey through most of the Middle East and from there closer to home back to the Balkans, work that resulted in my first collaboration fort he Swiss monthly cultural magazin DU. Three ways to Isfahan was the next, a joint project with fellow photographers Samer Mohdad and Daniel Schwartz. Then came Haiti fort he first time, something I continue working on up until today. From 1998 until 2006 I lived in San Francisco, that’s where my answer to your next question starts…

Christian Reister: What led you to your book “A Drug Free Land”? Why America?

Thomas Kern: Early 2001 the dotcom bubble popped. Living in San Francisco, at the door step of Silicon Valley, this immediately translated into a loss of assignments, The bread and butter jobs I needed were gone from one day to the other. San Francisco was expensive enough, I was struggling to make ends before, but without these jobs the situatione became critical. In September followed the attack on the Twin Towers, and the America I believed to know started falling apart. At this point I was determined to start a personal project somehow built on the experiences and years we had already spent in the United States, 9/11 – with all it’s well known and widely discussed consequences, the subsequent war on terrorism and the far-reaching restrictions on civil liberties, changed everything.

I was appalled at a self-censoring press and by the almost undisputed acceptance of embedded journalism. I was disgusted at Abu Ghraib, even if it did not reflect what Americans think America is really about, it still did reflect what hundreds of millions of other people thought America is about, and that matters. America – 37 millions live in poverty; 60 millions simply get by just above the poverty line. 50 million people are without health-care. Yet at the same time the United States invests 713 billions in the military, including a nuclear arsenal and the ongoing operations in Iraq and Afghanistan. All this weighed heavily on the land.

My photography has always aspired to go beyond the obvious and to somehow capture the invisible. The photographs I was searching for were documentary but rest ambiguous and inconclusive at the same time. I was not trying to make a final statement. The images come from heart and mind alike. They are wrought from strong convictions shaped by my own experience of living in the midst of a sometimes deceitfully familiar America – a very personal departure point to explore a very public subject. There was no common language for the confusions and fears triggered by 9/11, the ongoing wars and a crumbling economy. It was my ambition to give this America a face, to create a document, a visual commentary on the state of the nation. I was interested in the cracks between the personal experience and the state rhetoric, between the individual and the national order of things. I tried to find my images in the fabric of daily American life. I photographed people at their homes, at work, together with their friends, captured them shopping and while walking the streets. It was all out there. The strength and relevance is in the ability to select the permanent from among everyday reality.

Christian Reister: Some of your photographs are taken in a more reportage-like style, most of them more in the tradition of Street Photography – the scenes seem unstaged and rather found than wanted. How would you describe your approach?

Thomas Kern: To a certain extend my images are all found. At an early stage there is always some planning. I am a strong believer in research. Reading is important. The entire body of work in front of us somehow goes back to a text passage I found in a travelogue written by Alexis de Tocqueville in 1834. When working for A DRUG FREE LAND there was usually a rough itinerary or some kind of a destination, those way points I mostly chose according to historical significance, sometimes for their geographical location and sometimes just for their names, but that’s when I am already on my way. The research, the reading and the practical preparations must fade away into the background, once I have entered the picture making mode, it is the subconscious that finally triggerst the alarm when an image presents itself before me. It is as much seeing as recognizing the scene. When actually taking images I like to be slow. Driving is nice, the windshield can act as a frame and help you to see the images, but usually driving is too fast and the images gone by to quick. I prefer walking, when staying in Flint, Michigan for a while, I bought a bike in a pawnshop. That’s good transport too.

Again, I prefer to find my images as opposed to searching for them. I like to be surprised, as a photographer I don’t like to control a situation. I also could never work digital on such a project. I don’t want to see what I am doing, I like get up in the morning and see the world untainted. The images I do have to settle down to the unconscious, where they mingle and mix with the research, the reading, my memories and experiences while traveling.

Christian Reister: You are a Swiss citizen, you travelled countless states of America and you are taking your photographs with a Leica, black and white and analogue. Over fifty years ago there was another Swiss, Robert Frank, who has set cornerstones for generations of photographers with his book „The Americans“. Where do you see parallels and differences?

Thomas Kern: Of course I did all this to become a future inspiration to generations of photographers to come. Just like Robert Frank… Seriously, when starting out as a photographer I was interested in a socially conscious and advocating photography, I was much more drawn towards people like Gilles Peress, Philip Jones Griffiths, Eugene Richards. I considered Robert Franks photography (maybe more so it’s perception) as too artsy, maybe too poetic. I was maybe much closer to his photography when I really started out working with the media, just exploring, working in the darkroom, of course not closer to his quality of work, but closer to the concept.

I somehow feel like I have done a full circle. I had to abandon that poetic quality and the openness in order to make my photography useable. Most of my photographer’s life I have worked as a photojournalist. This has certainly made an imprint on me and my way of seeing. But the past few years I have discovered the need to make images with less obvious statements and giving them a much more universal and timeless quality. In this sense I feel like I have come much closer again to Frank’s photography. Today I look at my book and I see very little resemblance with Franks work, but I do see a frightening similarity of the undelying subjects we are both treating, loneliness, the american dream, racism… and maybe a certain melancholy too.

Christian Reister: The big American cities like San Francisco, Los Angeles or New York play only a marginal role in your book. Why did you focus on the rural regions?

Thomas Kern: It is a conscious decision. I lived in San Francisco, a beautiful city, cosmopolitain, open and politically liberal. Most of these qualities are not necessarily representative of the rest of America. The two coasts, San Francisco, Los Angeles and on the East coast New York and maybe Boston are totally over represented in our perception of America. It is also not my love for landscapes, but it was the idea to visualize how the majority of Americans live.

Christian Reister: Do you always have a camera with you and are you photographing on the streets anyway or are you only working with a clear concept or targed in mind?

Thomas Kern: I used to always have a camera with me. But gradually less and less, Although lately I am making an effort to go back to that habit again. I am sure it has to do with the kind of work I’ve been doing over the past twenty years, photojournalism was of course mostly project oriented. But I suspect there are also other reasons, more to do with my self image, my identity as a photographer. When starting out, it was good to always carry a camera, because therefore I was a photographer…

Today I know photography is my profession, I haven’t done anything else for the past two decades. Even DRUG FREE LAND was mostly done in a project oriented way. I have a family, responsibilities and a life apart from photography which forces me to find some kind of a balance and efficiency in my work. I can’t afford to aimlessly wonder around and I do not subscribe to esoteric theories of how to get to my images. I talked about this before, the whole framework I need to go out in order to be able to find my images.

Christian Reister: Is there a new project you are currently working on?

Thomas Kern: I am still not sure whether I have come to an end with America after having published the book. Maybe yes, maybe no. I also keep on working in Haiti, especially now, after the earthquake of last January, a whole new chapter has opened itself in front of me. To publish Haiti is much more difficult. Working with Patrick Frey for A DRUG FREE LAND was great and a wonderful experience. The fact that this is a small publisher with a limited distribution was not so relevant for DRUG FREE LAND. It is a much more personal goal to have this published, and I am happy with it, as it is.

Christian Reister: If you could chose three photobooks for a residence on a lonely island – which ones would you choose?

Thomas Kern: FAIT by Sophie Ristelhueber

BELGICUM by Stephan Vanfleteren

ANTLITZ DER ZEIT by August Sander

Frank Schirrmeister

Thomas Kern wurde 1965 in Brugg/Schweiz geboren. 1984-1987 Ausbildung als Fotograf, 1988-89 Kamaeraassistent beim Fernsehen DRS, Besuch der Fotografieklasse der Kunsthochschule Zürich. 1990 Mitbegründer der Fotoagentur Lookat in Zürich, 1998-2006 als freiberuflicher Fotograf in San Francisco. Lebt und arbeitet in Möriken / Schweiz (Quelle: Fotografenwiki.org)

www.thomaskern.ch